Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW e.V.

im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.

Wittener Str. 87

44 789 Bochum

Tel 0234 / 640 51-02   Fax -03

Matthias.Seibt@psychiatrie-erfahrene-nrw.de

 

An                                                                                         21. Mai 2008

Herrn/Frau

«TITEL»«VORNAME»«NAME»

Platz des Landtags 1

40 225 Düsseldorf

 

 

 

 

Sehr geehrterHerr/Frau «TITEL»«NAME»,

wir beziehen uns auf das Schreiben der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener vom 16. April, in dem diese eine Abschaffung des Psychisch-

Kranken-Gesetzes als Vorbedingung für eine Ratifizierung der

UN-Behindertenkonvention forderte.

Wir teilen diese Sicht und meinen ebenfalls, dass ein Sondergesetz gegen psychisch Kranke nicht mit der UN-Behindertenkonvention vereinbar ist. Daher müssen, wenn diese Konvention nicht nur Schönfärberei sein soll, vorher diese Sondergesetze fallen.
Mindestens müsste das PsychKG um Zwangsbehandlung, Zwangseinweisung und Zwangsbegutachtung entkernt werden.


Die Hilfen, die ja sowieso nur der Zuckerguss auf der bitteren Pille der staatlichen Gewalt waren, können gerne bleiben. Ihr Alibi-Charakter wird daran überdeutlich, dass noch nie eine dieser Hilfen eingeklagt wurde.
Sie sollen nur vernebeln, dass dieses Gesetz nur eine Funktion hat: Zwang und Gewalt gegen eine Minderheit zu legalisieren.


Nun wissen wir, dass diese unsere nicht die allgemeine Sicht auf die Dinge ist. In der Regel werden Gewalt und Zwang gegen Psychiatrie-Erfahrene damit gerechtfertigt, sie fänden zum Wohle der Betroffenen statt.

Wie sieht es nun mit diesem Wohl aus? Sind die gewaltsam durchgesetzten Maßnahmen wirklich zum Wohl der von ihnen Betroffenen?

Eine große epidemiologische US-Studie (s. Anlage) kommt zum Ergebnis, dass Menschen, die sich dauerhaft in psychiatrischer Behandlung befinden, 25 Jahre Lebenserwartung gegenüber dem Durchschnitt der Bevölkerung verlieren.

 

 

Wir führen dieses fürchterliche Ergebnis auf die hemmungslose Gabe von Psychopharmaka, insbesondere von Neuroleptika, zurück. Der Psychiater Dr. Volkmar Aderhold, langjähriger Oberarzt im Klinikum Hamburg-Eppendorf hat dankenswerter Weise Untersuchungen insbesondere zur Mortalität unter Neuroleptika gesammelt.

Ein Auszug:
Anzahl Neuroleptika     relatives Mortalitätsrisiko                       Konfidenzintervall
                                    nach Abgleich konfundierender
                                    Faktoren im Vergleich mit Bev.              
  0                                        1,29                                            (95% CI 0.53- 3.11)
  1                                        2,95                                            (95% CI 1,64- 5,38)
  2                                        3,21                                            (95% CI 1,93- 5,95)
  3                                        6,83                                            (95% CI 3,40-13,71)   

Den kompletten Text finden Sie in der Anlage.

Auch ist die Zwangsbeglückung mit stark lebensverkürzenden Medikamenten keine vernachlässigenswerte Randerscheinung. Bei bundesweit ca. 1.000.000 Psychiatrie-Aufenthalten jährlich finden mehr als 20% zwangsweise statt (Bundesministerium der Justiz, s. Anlage).


Wir hoffen, diese Zahlen verdeutlichen ihnen, dass unsere Sicht der Psychiatrie nicht Ausfluss individuell schlechter Erfahrungen, sondern Ergebnis nüchterner Bestandsaufnahme ist.

Da es sich bei diesem Problem um Leben und Tod handelt, bitten wir Sie dringend, sich mit unserer Position eingehend zu beschäftigen. Gern erläutern wir Ihnen unsere Sicht der Dinge auch persönlich.
Wir bitten Sie daher um einen Termin für ein Gespräch.

Der Vorstand des LPE NRW e.V.

 


(Matthias Seibt)                                            (Fritz Schuster)