Gedenktag der Psychiatrie-Toten
Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) hat den 2. Oktober zum Gedenktag der Psychiatrie-Toten erklärt. Aus diesem Anlaß demonstrieren wir, die Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Nordrhein-Westfalen (LAG NRW), heute abend in Bochum.
Wir gedenken in diesem Jahr speziell der durch Psychopharmaka getöteten Menschen. Wenn insgesamt 50 Tote weltweit durch Lipobay Grund genug sind, ein Medikament vom Markt zu nehmen, dann dürfen 500 Todesfälle jährlich allein in Deutschland durch Neuroleptika nicht unerwähnt bleiben.
Oder sollte das Leben von "psychisch Kranken" so viel weniger wert sein?
Sicherlich nicht.
Einige Fakten: Jede/r 400. Neuroleptikakonsument wird durch die "Medikamente" getötet. Wer im Alter von 20 Jahren mit dem Dauerkonsum beginnt, verliert im Durchschnitt 20 Jahre Lebenserwartung.
Von 504 784 in der BRD behandelten Psychiatrie-patient/inn/en kamen 1996 bei einer durchschnitt-lichen Verweildauer von 36,5 Tagen 3 125 zu Tode. Hierin sind 76 724 Suchtpatient/inn/en mit 47 Todesfällen enthalten. Das sind von jedem/r nach-zulesende Zahlen des statistischen Jahrbuchs 1998.
36,5 Tage sind ein zehntel Jahr. 3000 von 500 000 ist 0,6%. 0,6% mal zehn ist 6%. Diese Hochrechnung aufs ganze Jahr ist nötig, weil es einen Unterschied macht, ob ich 0,6% Todesrate bei einem Tag Verweildauer oder bei einem halben Jahr Verweildauer habe. Da der Mensch im Durchschnitt etwa 80 Jahre alt wird, beträgt die "natürliche" Sterblichkeit jedes Jahr 1,25%. In der Psychiatrie ist es also fünfmal so gefährlich wie "draußen". Dies dank der Behandlung von "Krankheiten", die unbehandelt keineswegs lebensgefährlich sind.
Dazu kommt noch, daß einige durch psychiatrische Behandlung hervorgerufene Todesfälle auf soma-tischen Stationen stattfinden. Die Selbsttötungsrate im halben Jahr nach Anstaltsaufenthalt mit Neuroleptikabehandlung ist stark erhöht. Schätzungen und Zählungen gehen hier von einer bis auf das 100-fache erhöhten Selbsttötungsrate gegenüber der "Normal"bevölkerung aus. Das läßt das Gerede von der Suizidprophylaxe durch die Psychiatrie schlecht aussehen.
Informationen bei: BPE-Erstkontakt: 02325 / 55 87 14 BPE-Psychopharmaka-Beratung 0234 / 640 5102.
V.i.S.d.P.: Matthias Seibt, Landgrafenstr. 16, 44 652 Herne.