Grenzen
und Möglichkeiten der Selbsthilfe.
Gliederung
1.
Einleitung
2.
Grenzen der
Selbsthilfe
3.
Ausgrenzungen?
4.
Grenzerweiterungen
5.
Professionalisierung
6.
Möglichkeiten und
Chancen
Einleitung.
Noch Mitte der achtziger Jahre hieß
es auf einer Tagung, daß psychisch Kranke per se nicht selbsthilfefähig seien.
1990 fiel auf einer kommunalen Psychiatrie-Veranstaltung der Satz “die
Betroffenen können sich ja nicht artikulieren”. Ich will nicht verhehlen, daß
es mich mit großer Genugtuung erfüllt, daß wir solche Thesen widerlegt haben.
Es ist mein Ziel, dass diese Selbsthilfe ausgebaut, ausgeweitet und von noch
sehr viel mehr Betroffenen wahrgenommen wird. Wir dürfen nicht mehr wegzudenken
sein.
Dennoch
werden unsere Selbsthilfebemühungen von manchen Profis, manchmal auch Angehörigen,
skeptisch betrachtet. Ich will hier nicht auf die inhaltlichen Differenzen
eingehen. Aber es heißt z.B., diejenigen, die in der Selbsthilfebewegung aktiv
seien, seien nicht repräsentativ. Es handle sich um Überflieger,
Edelpsychotiker, Intellektuelle, Leute mit einem zufälligerweise günstigen
Verlauf. Wir werden davor gewarnt, uns nicht zu überfordern, keine
Waghalsigkeiten zu begehen. Wir dächten nur an unsere subjektiven, nicht auch
an objektive Interessen. Überhaupt seien wir ja eigentlich gar nicht kompetent.
Grenzen
der Selbsthilfe. Obwohl mich solche
Argumente ärgern – ich will sie einmal ernst nehmen. Deshalb zuerst: wo liegen
die Grenzen unserer Selbsthilfemöglichkeiten? Ich selbst habe diese Grenzen
sehr deutlich und einigermaßen grausam am eigenen Leib erlebt. Ich habe an
einem Experiment teilgenommen, nämlich in einer spontan entstandenen, natürlich
unbetreuten Wohngemeinschaft von mehreren Psychotikern, gelebt. Wir nannten uns
“die freie Verrückten-WG”. Wie ich schon andeutete, ist dieses Experiment gescheitert.
Dennoch: wir hatten auch sehr gute Momente miteinander, sehr viele konstruktive
Ansätze, und, bei allem Unglück, konnte man daraus vieles lernen. Zum Beispiel,
daß dieses Experiment nicht unbedingt hätte scheitern müssen. Wäre es
überlegter, geplanter gewesen, hätten wir bei kritischen Situationen unabhängige
Dritte oder womöglich einen Profi unseres Vertrauens hinzugezogen – vielleicht
bestünde die WG noch heute. Auf die Notwendigkeiten, die Selbsthilfe in dem
einen oder anderen Bereich zu professionalisieren, will ich später noch
eingehen.
Doch
auch heute erlebe ich die Grenzen der Selbsthilfe. Ich selbst verfüge nur über
begrenzte Ressourcen. Ich habe nicht unendlich viel Zeit, nicht unendlich viel
Kraft, und meine Geduld, mir die Probleme anderer Leute anzuhören, ist auch
erschöpfbar. Vom Geld, das Selbsthilfearbeit kostet, gar nicht zu reden. Es
gibt Probleme, bei denen fühle ich mich nicht im geringsten kompetent – ich
überlasse sie denen, die darin kompetenter sind. Es gibt Situationen, die sind
derartig komplex oder mit einer solch großen Verantwortung behaftet, daß ich
froh bin, wenn ich sie möglichst schnell in professionelle Hände geben kann.
Dazu sind diese Leute ja auch da. Ich habe noch ein ganz anderes Leben, als
mich nur im Selbsthilfebereich zu engagieren, und kann daher nur sehr begrenzt
für telefonische oder persönliche Beratung zur Verfügung stehen. Ich unterhalte
auch keinen Besuchsdienst. (aber vielleicht könnte man den in Zukunft ja doch
mal irgendwie organisieren......)
Außerdem:
die eigene Erfahrung qualifiziert nicht automatisch, nun auch anderen Menschen
in Krisen beizustehen. Ich bin da oft genauso hilflos oder genervt, wie es
Unbeteiligte wären. In einem Artikel las ich einmal, die Grundlage für das
Handeln in der Selbsthilfe und in der Begleitung anderer Betroffener sei unsere
Sympathie oder Liebe für andere Psychiatrie-Erfahrene. Damit könnten wir alles
besser oder richtiger machen als die Profis. Als erstes frage ich mich da: was
ist mit den Leuten, die ich nicht sympathisch finde? Als zweites verweise ich
auf die Probleme, die sich oft zwischen uns und unseren Angehörigen ergeben.
Viele Angehörige empfinden eine wirklich große Sympathie für das betroffene
Familienmitglied – und gerade aus dieser Liebe heraus werden manchmal die
kolossalsten Fehler gemacht.
Ich
sage dies deshalb mit solcher Deutlichkeit, weil ich während einer heftigen
Krise schon einmal von einem anderen Psychiatrie-Erfahrenen begleitet worden
bin. Doch, ich hatte sehr großes Vertrauen in denjenigen, er war auch sehr
vorsichtig und einfühlsam – nur eben ging die Sache trotzdem völlig schief und
endete in einem übermäßig langen und reichlich negativem
Psychiatrie-Aufenthalt. Ganz abgesehen davon, daß viele Psychiatrie-Erfahrene
die psychischen Probleme anderer als zusätzliche eigene Belastung erfahren, und
davon nichts wissen wollen. Ich bin oft schon froh, wenn jemand überhaupt
bereit ist, sich mit seiner eigenen Situation auseinanderzusetzen.
Unser
VPE wird außerdem auch dadurch manchmal ganz schön gebeutelt, daß Mitglieder in
Krisen geraten, wochen- oder monatelang in Kliniken oder ins Nirgendwo verschwinden,
keine Lust mehr auf das Thema Psychiatrie haben, ihnen die Themen zu abstrakt
sind, sie das Gefühl haben, es wäre doch zuviel, oder sie sich bestimmte
Arbeitsformen gar nicht erst zutrauen. Mich beunruhigt das wenig, auch wenn
dadurch den aktiven Mitgliedern oft noch zusätzliche Arbeit aufgebürdet wird –
wir werden auf Dauer immer kreativer, wenn es darum geht, Aufgaben zu
verteilen, Leute zu motivieren, wenig belastende Arbeitsformen zu finden, usw.
Außerdem höre ich immer wieder, dass viele Mitglieder durchaus interessiert an
unserer Arbeit sind, auch wenn sie sich nicht aktiv beteiligen möchten.
Neben
dem Erfahrungsaustausch, dem Kontakt und alltäglicher, praktischer Unterstützung
leistet die Selbsthilfe auch politische Arbeit. Dies ist ein Themenbereich, der
manchem Psychiatrie-Erfahrenen zu trocken, zu theoretisch und zu
konfliktbeladen ist. Auch kann und will nicht jede/r Psychiatrie-Erfahrene Großveranstaltungen
moderieren oder sich in die Winkelzüge des Rechts vertiefen. Es ist gut, daß
wir die aktive Mitglieder haben, die sich für diesen Themenbereich
interessieren und darin aktiv sind. Dennoch – verlieren wir den Bezug zu
unserer Basis nicht! Denken wir uns mehr, kreativere, lustvollere und wirklich
an unseren alltäglichen Bedürfnissen orientierte Mitmachformen aus!
Ausgrenzungen? Es gibt einige Phänomene in der Selbsthilfeszene, die
mich stören. Da ist zum Beispiel der übertriebene missionarische Eifer im
Umgang mit anderen Psychiatrie-Erfahrenen. Bewußtsein schaffen für die eigene
Situation als Psychiatrie-Erfahrener, für die eigenen Möglichkeiten, für eine
kritische Betrachtung der Behandlung, die man/frau erfährt ist eine Sache –
Leuten etwas aufdrängen eine andere. Da las ich einen Artikel über dieses schöne Weglaufhaus in Berlin. Mal
abgesehen davon dass man mich mit einer BewohnerInnenversammlung jagen kann und
eine rund-um-die-Uhr Einzelbetreuung auch nicht mein Ding ist – da stand also,
man müsse dort die Medikamente absetzen, wolle man sie weiternehmen, kann man
oder frau eben nicht im Weglaufhaus bleiben. Herrgottnochmal, ich dachte, ich
dürfte das endlich einmal selbst entscheiden, und meine Entscheidung würde dann
auch respektiert. Da ist schon wieder jemand, der es “gut mit mir meint” und
mich zum richtigen Glauben bringen will.
Eine
andere Sache: besonders in den Anfangsjahren unserer Selbsthilfegruppe und
besonders von den Männern wurde unglaublich viel mit Abiturnoten,
Schulabschlüssen, akademischen Graden und Diplomen herumgewedelt. Offenbar
hatten wir es nötig, auf unsere tollen intellektuellen Fähigkeiten hinzuweisen.
Das ist natürlich verständlich: intellektuelle Fähigkeiten werden uns oft
abgesprochen, und oft ist unser Leben nicht gerade sehr reich an
Erfolgserlebnissen. Dass es zu so manchem Profi noch nicht durchgedrungen ist,
daß Leute mit psychischen Problemen im Regelfall normal intelligent sind, ist
traurig genug. Zugeknüppelt mit Medikamenten haben wir vielleicht manchmal
selbst das Gefühl auf unsere Fähigkeiten keinen Zugriff zu haben. Dennoch
sollten wir an solche Ammenmärchen keine Energie verschwenden. Mich stimmt
dabei noch etwas anderes nachdenklich: wollen ausgerechnet wir den
gesellschaftlichen Intelligenzkult auch noch mitmachen? Früher, vor meinen
Psychosen, hatte ich zu tun mit Menschen, die wirklich intellektuelle Defizite
hatten, sog. “geistig Behinderte”. Mache nannte man auch
“schwerstmehrfachbehindert”. Ich konnte nicht finden, dass sie deshalb in irgendeiner
Hinsicht weniger Mensch waren und weniger Würde und Identität hatten, nur weil
ihnen intellektuell was abging. Schade - von einer Selbsthilfegruppe dieser
Menschen habe ich bisher noch nicht gehört.....vielleicht kann es das nicht
geben...siehe die Einleitung. “Normal intelligent”, also eine Streuung wie in
der restlichen Bevölkerung, heißt aber auch, dass ich ebenfalls eine ganze
Reihe von Psychiatrie- Erfahrenen kenne, die an dieser Stelle keine besonderen
Ansprüche haben – keine dicken, antipsychiatrischen Bücher lesen, keinen
Erfahrungsbericht verfassen, keine Tagung besuchen, und sich überhaupt mit dem
Thema Psychiatrie relativ wenig befassen. Auch mit diesen Menschen bin ich
teilweise befreundet, auch sie haben ihre Sorgen und Freuden, auch sie möchte
ich darauf aufmerksam machen, dass Selbsthilfe Spaß machen und einem etwas
bringen kann. Da ist dann vielleicht mal ganz etwas anders angesagt als
Diskussionsrunde oder psychiatriebezogener Erfahrungsaustausch.
Absolut
unannehmbar finde ich es aber, wenn diejenigen Psychiatrie-Erfahrenen, die vielleicht
nicht unsere kritische Einstellung teilen, sich nicht groß für
Psychiatrie-Politik etc. interessieren, sondern ganz gern in der Tagesstätte
sitzen, Kaffeetrinken, rauchen, vielleicht ihre Ruhe haben wollen, mitunter mit
der Psychiatrie ganz zufrieden scheinen, als “hoffnungslos psychiatrisiert”
“angepaßte Dummköpfe”, “Luschen” und “Abhänger” bezeichnet werden. Wenn
Nichtbetroffene dies tun ist das schlimm genug – wenn es aus unseren eigenen
Reihen kommt, frage ich mich, wofür und für wen sind wir eigentlich angetreten?
Der niederländische “Clientenbond” wirbt damit, daß er niemanden ausgrenzt. Dem
Beispiel können wir nur folgen. Was für mich nicht heißt, dass ich jedwede/n
Psychiatrie-Erfahrenen persönlich besonders sympathisch finden muß.
Grenzerweiterungen. Wieviele Psychiatrie-Erfahrene waren eigentlich
dabei, als für die Rechte altersverwirrter Menschen demonstriert wurde? Ach so,
die Gerontopsychiatrie geht uns nichts an? Spätestens in ein, zwei oder drei
Jahrzehnten geht sie uns vielleicht doch etwas an. Ein Arbeitskollege von mir,
der weit über 50 ist, kam nach einem Suizidversuch in die Gerontopsychiatrie,
die in unserer Stadt ein eigenes Klinikgebäude hat. Dort waren wir in keiner
Weise vertreten. Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie geht uns etwas an, vor
allem, weil manche/r von uns auf dementsprechende Erfahrungen zurückgreifen
kann. Auch die Forensik. Im übrigen kenne ich auch Psychiatrie-Erfahrene
ausländischer Herkunft...
Wir
haben einige Mitglieder, die von einem Suchtproblem betroffen sind – nein,
nein, wir sollen uns nicht auch noch darauf spezialisieren. Im Bereich Sucht
und Abhängigkeit gibt es ein gut ausgebautes Selbsthilfenetz mit z.T. langer
Tradition – vielleicht lohnt es sich aber mal, damit gezielt und enger Kontakt
aufzunehmen – wir könnten vielleicht noch was lernen, die haben doch auch
Projekte von und für Betroffene..... Und wie gehen eigentlich andere mit ihrem
Stigma um? Unsere Öffentlichkeitsarbeit krankt manchmal daran, dass Einzelpersonen
verständlicherweise anonym bleiben wollen - wie macht das eigentlich die
AIDS-Hilfe, die sicherlich vor ähnlichen Problemen steht, aber viel bekannter
ist als die Bewegung Psychiatrie-Erfahrener? Bei mir gegenüber ist ein Café für
Schwule und Lesben. An der Tür und auf der Speisekarte steht “HIV-positive welcome”. Das nenne ich
offensiven Umgang mit einem Stigma.
Professionalisierung. Schon im ersten Teil deutet ich dieses Thema an. Auch
Selbsthilfe kann und muß sich zum Teil auch professionalisieren. Obgleich ich
eher ungern Krisenbegleitung bei anderen wahrnehme, halte ich dies nach wie vor
für ein wichtiges und interessantes Modell. Doch Krisenbegleitung muß auch
gekonnt sein – nur eigene Erfahrung und womöglich Sympathie füreinander reichen
nicht unbedingt aus. Vielleicht lohnt es sich doch, die eine oder andere
Vorgehensweise von – vielleicht alternativen - Profis abzugucken? Es gibt ja
nicht nur Zwangspsychiatrie und arrogante, gefühlskalte Profis. Es gibt auch
solche, die sehr kompetent und einfühlsam darin sind, Leute zu begleiten – wie
wär’s mal mit Erfahrungsaustausch?
Ich
sprach von Beratung – wenn frau öfters in diese Rolle hineingedrängt wird und
die Leute einigermaßen gut kennt, entwickelt frau natürlich auch intuitiv ein
Gespür dafür, was geht und was nicht geht – trotzdem merke ich manchmal daß es
mir einfach an konkreten Informationen oder aber an Gesprächsführungshandwerk
mangelt. War da nicht so ein Weiterbildungsträger, der eine entsprechende Fortbildung
anbot? Und auch zu Rhetorik oder Gruppenmoderation? Wir Psychiatrie-Erfahrenen
können viel Neues und Neuartiges einbringen – das Pulver, das aber schon längst
erfunden worden ist, sollten wir nicht noch einmal neu erfinden wollen –
höchstens auf unsere Bedürfnisse zurechtschneidern.
Sich
mal um die Rechtslage, um Gesetzestexte zu kümmern, ist auch kein schlechter Gedanke.
Manche Angehörigengruppen haben eine Geschäftsstelle, in der sie regelmäßige
Sprechstunden abhalten und ihren Bürokram erledigen – in Ballungszentren gibt
es dieses auch schon von Psychiatrie-Erfahrenen (?). Nur: das erfordert, neben
aktiven Leuten auch schon wieder Geld – das ist auch eine Aufgabe, in der wir,
bei uns hier zumindest, professioneller werden müssen – Umgang mit dem
Finanzamt, mit möglichen Sponsoren, wie und wo stellt man Anträge und füllt
Verwendungsnachweise aus. Aber welch ein Glück: in Bielefeld haben wir eine
ehemalige Betriebswirtin als Mitglied. Die Veranstaltung des Finanzamts zum
neuen Spendenrecht hat ihr richtig Spaß gemacht.
Ein
Rundbrief wird mit mehr Interesse gelesen, wenn auch das Lay-out einigermaßen
stimmt. Was macht überhaupt unsere Öffentlichkeitsarbeit? Wo denken wir uns
öfter einmal eine Veranstaltung aus, die nicht bloß für Insider, sondern auch
für völlig Ahnungslose interessant ist?
Möglichkeiten
und Chancen. ich habe mich da eben
über Professionalisierung ausgelassen, und weiter oben auf die Notwendigkeit
mit einem Konzept oder Plan an manche Sachen heranzugehen. Im Gegenzug möchte
ich aber nun davor warnen, doch bitte nicht übermäßig professionell die
Selbsthilfe zu betreiben. Das ist ja gerade unser großes Plus, unser Freiraum,
den wir den Profis voraus haben: wir brauchen keine Konzeption durchzuziehen,
keine Theorie zu beweisen, keine
Planbetten zu belegen, kein im voraus ein für allemal festgelegtes Behandlungs-
oder auch Selbsthilfeziel zu erreichen. Wir sind mit unserer Subjektivität,
unserer subjektiven Sichtweise angetreten, und dürfen und sollen diese als
Schwerpunkt beibehalten. Wir sind nicht in erster Linie theoriebezogen, sondern
erfahrungsbezogen. Wir können nicht nur viel individueller und flexibler
handeln und agieren, wir dürfen sogar in unserem Handeln manchmal
widersprüchlich sein. Wir sind das Volk – wir kennen unsere Bedürfnisse
und unseren Alltag am besten.
Wahre Antipsychiatrie liegt für mich darin,
sich überhaupt gar nicht mehr mit der Psychiatrie, sondern mit dem wirklichen
Leben zu beschäftigen. Und da möglichst aus dem vollen zu schöpfen. Für
zahlreiche Psychiatrie-Erfahrene sind die informellen Kontakte, die durch die
Selbsthilfe geknüpft wurden, wichtiger als das, was auf struktureller oder
politischer Ebene erreicht wurde oder vielleicht noch erreicht werden wird. Ich
pflege diese informellen Kontakte auch sehr intensiv – nicht zuletzt zu meinem
eigenen Vorteil.
Vielleicht
macht diese Welt, diese Realität, diese Gesellschaft uns ja krank – sie enthält
aber gleichzeitig das Heilmittel. Da gibt es so viele noch unentdeckte und
ungehobene Schätze, die wir zu unseren Gunsten verwenden können – ich bin
vielleicht schizophren, aber nie so schizophren, dass ich diese Chancen nicht
voller List und Lust nutzen würde. Zum Schluß ein kleines Erlebnis: wir haben
bei uns eine kleine Veranstaltungsreihe aufgezogen, die interessant ist, aber
nur sehr schwach besucht wird. Ich schlug daher einmal vor, aufgrund der
mangelnden Resonanz diese Reihe einzustellen. Nicht nur, daß ich auf Widerstand
bei den bisher Teilnehmenden stieß; ein Teilnehmer drückte es so aus: “wenn nur
ein einziger Psychiatrie-Erfahrener von unseren Bemühungen profitiert, hat es
sich für mich schon gelohnt.” Ein bedenkenswertes Motto.