Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW e.V.
Wittener Str. 87; 44
789 Bochum – Tel.: 0234 / 640 51 02
Matthias.Seibt@psychiatrie-erfahrene-nrw.de
Wege
zur Selbststabilisierung
Selbsthilfekonzept für Psychose-Erfahrene
Dieses
Konzept ist eine Ergänzung zu dem Selbsthilfepapier TIPS UND TRICKS UM
VER-RÜCKTHEITEN
ZU STEUERN des Bundesverbandes
Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Es
soll Anregungen geben, worauf man achten sollte, um sich selber zu
stabilisieren. So lernt man eine weitere Psychose zu vermeiden und mehr Selbstachtung, Zufriedenheit, Selbstbewusstsein und Lebensqualität u.a.
durch mehr Selbstbestimmung zu erreichen.
Voraussetzungen:
Ich habe die Bereitschaft
-
anzuerkennen und zu akzeptieren,
dass ich eine oder mehrere Krisen hatte, und für
weitere gefährdet bin. Wenn ich mich nicht
selbst annehme, ist ein bewusster
Umgang mit
meiner Problematik nicht möglich.
-
auf mich und meine Lebensumstände zu schauen, und werde dabei gerade auch
das
Positive
besonders beachten.
-
mein Leben zu verändern, wenn es im Sinne der Selbststabilisierung sinnvoll erscheint.
-
in gesunden und in Krisenzeiten mehr und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen
und gut für mich und mein Wohlbefinden zu
sorgen.
-
zu lernen, mich zu spüren, wie es
mir geht, wo ich gefühlsmäßig und belastungsmäßig
stehe. Ich schaue, was Gefühle und
Belastungen bewirken und wie ich sinnvoll damit um-
gehen, ggf. gegensteuern kann.
-
meine Selbststabilisierung und damit
meine Gesundheitsvorsorge, und die Gedanken
daran, in
meinem Leben an die 1. Stelle zu setzen. Ich sage mir: Ich will keine Krise
(Psychose) mehr haben, und ich werde alles
was notwendig ist tun, um das zu erreichen.
-
Veränderungen wohl überlegt, ruhig und gelassen anzugehen.
-
Geduld zu üben, da ich nur in
kleinen Schritten vorgehen sollte.
Bis zum Erreichen der
Selbststabilisierung vergehen Monate oder Jahre. Danach übt man diesen Prozess
sein Leben lang aus.
Allgemeine Tipps:
a) für körperliches
Wohlbefinden sorgen:
-
regelmäßig gesund essen und trinken
-
genug und regelmäßig schlafen, nicht zu spät ins Bett gehen
-
für genügend frische Luft und Tageslicht sorgen
-
auf eine gute Körperpflege achten
>
Allgemein: Ein gesundes und geregeltes Leben führen^
b) körperliche und seelische
Aspekte:
- keine Drogen konsumieren!!! (auch kein Haschisch oder Marihuana)
-
nur wenig oder gar keinen Alkohol trinken
-
wenig Genussgifte wie Kaffee, Tabak, schwarzen Tee, Cola oder Zucker zu sich
nehmen
-
für körperlichen und geistigen Ausgleich und Entspannung sorgen, z. B.:
Sport,
Spazieren gehen, Spiele (keine übertriebene
körperliche Belastung)
-
Gewohnheiten und Regelmäßigkeiten, die einem gut tun, pflegen
-
sich öfter mal Gutes gönnen und sich auf die positiven Dinge im Leben
konzentrieren
-
auf seine sexuellen Bedürfnisse achten -
ein Orgasmus wirkt entspannend und aus-
gleichend, sexuelle Abstinenz kann ebenfalls
die richtige Wahl sein
c) die medizinischen Aspekte:
-
sich einer Selbsthilfegruppe anschließen - (auch ein sozialer Aspekt)
-
einen Arzt/eine Ärztin suchen, der/die umfassend aufklärt, der/die sich Zeit
für Gespräche
nimmt, einem Eigenverantwortung zugesteht, zu
Verhandlungen bereit ist und einen
partnerschaftlichen/selbstbestimmten Umgang
ermöglicht
-
zur Unterstützung ggf. eine vertraute und psychiatrieerfahrene Person mitnehmen
-
Umgang mit Medikamenten:
Mit den Medikamenten sollte man besonders
verantwortlich, gut informiert, selbstbestimmt
und sehr vorsichtig umgehen.
Wer noch darauf angewiesen ist, sollte sie
regelmäßig nehmen und nicht vergessen.
Bei einer Verbesserung des Befindens bzw.
beim Einsetzen einer Stabilisierung mit
Arzt/Ärztin über eine Reduzierung reden/verhandeln,
aber nicht eigenmächtig die
Medikamente, absetzen/verändern (Vertrauen
beruht auf Gegenseitigkeit).
Unüberlegtes, unsachgemäßes
absetzen/reduzieren kann einen wieder in eine Krise
steuern!
Es gelten die Grundsätze:
1. Medikamente können nicht heilen, nicht die Ursachen
bekämpfen/beseitigen, sondern
nur Symptome
lindern.
2. So wenig wie möglich, nur so viel wie
nötig.
3. Wirkung, Nebenwirkungen und mögliche
Spätschäden sollte man kennen.
Eine ausführliche, kompetente Beratung leistet
die Psychopharmaka-Beratung des
Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Tel.: 0234 / 640 51 02.
-
mit seinem Arzt/seiner Ärztin und/oder Therapeut/in auch über Psychoseinhalte
reden und
diese aufarbeiten, z.B.: Verfolgungsgedanken
-
mit seinem Arzt/seiner Ärztin einen Krisenplan absprechen/bzw. ausarbeiten
-
den Kontakt zum Arzt/zur Ärztin aufrecht erhalten, auch wenn es einem gut geht
-
mit der Klinik eine Behandlungsvereinbarung abschließen
-
sich informieren (z.B.: Bücher, Internet, Gespräche, Psychoseseminar)
d) die sozialen Aspekte:
Auf
dem Weg zur Selbststabilisierung ist es für das seelische Gleichgewicht sehr
wichtig, dafür zu sorgen, dass das zwischenmenschliche Klima einigermaßen
stimmt (Angehörige, Partner/in, Freunde, Kollegen). Da wo es nicht möglich ist,
geht man diesen Menschen besser aus dem Weg.
-
mit seinen Angehörigen/Freunden einen Krisenplan absprechen
-
ein persönliches, institutionsunabhängiges Krisennetz schaffen (Angehörige,
Partner,
Freunde
und Selbsthilfegruppe)
-
für ausreichende menschliche Kontakte sorgen, sich nicht isolieren
-
Kontakte zu Menschen auch außerhalb der Selbsthilfegruppe und vom
Psychiatrieumfeld
pflegen
-
seelische Krisen, die man hatte, nicht verdrängen, sondern versuchen, zu
verarbeiten
-
dafür sorgen, dass man glücklich ist (sehen, was man noch kann und hat, und
nicht was
man nicht mehr kann - positiv denken)
-
erforschen, was einem gut tut und was einem nicht gut tut
-
sich um eine realistische Selbstwahrnehmung bemühen, und seine Gedanken und
Pläne
auf Wirklichkeitsnähe überprüfen
-
Probleme nicht verdrängen, sondern mit vertrauten Personen besprechen
-
sich Grenzen setzen, auch mal gegenüber anderen abgrenzen und Grenzen einhalten
-
auch innerhalb einer Selbsthilfegruppe
-
möglichst eine Arbeit/Beschäftigung suchen, die einen interessiert und dabei
nicht über-
oder unterfordert
-
mit sich selbst und anderen pfleglich umgehen
Das Stressmanagement:
Was
ist Stress? Sehr hohe seelische und körperliche Belastung, die zu Krankheit führen
kann. Viele haben bei einer Psychose das Gefühl, es passiert etwas mit ihnen,
aber im Vorfeld haben sie sich zu viel Stress zugemutet oder es ist ihnen zu
viel zugemutet worden.
Nach
dem Verletzlichkeits - Stress -
Bewältigungsmodell sind psychoseerfahrene Menschen besonders verletzlich,
sensibel, dünnhäutig und anfällig für Stress. Grundsätzlich kann jeder Mensch
bei hohen seelischen Belastungen eine Psychose bekommen. Belastungen
verschiedenster
Art können Stress auslösen und einen verletzlichen Menschen in den Grenzbereich
zu einer akuten Psychose führen. Dabei kann es sich um plötzliche, schwere
Belastungen oder eine Aneinanderreihung kleinerer, sogar alltäglicher
Anforderungen handeln. Andererseits hat Stress, in einem Maße, das einen nicht
überfordert, eine positive Wirkung. Zuviel positiver Stress, in Verbindung mit
einer Überaktivität, kann aber auch destabilisieren.
Um
eine erneute Krise zu verhindern, muss man den Stress, d.h. die Belastungen,
die man sich zumutet, managen.
Woran merke ich es, wenn ich an
meine momentane persönliche Belastungsgrenze komme?
Wenn
ich die ersten Anzeichen für Stress
spüre, das kann z.B. sein:
-
man fühlt sich schlapp oder nervös
-
man kann sich nicht mehr richtig entspannen
-
man kann Gedanken schlecht abschalten
- Kopf-, Magen- oder Rückenschmerzen
-
erste Schlafstörungen (z.B.: in der Nacht aufwachen, sofort hellwach sein und
Gedanken
sind ganz präsent) -
Gereiztheit
-
man kann sich auf bestimmte Sachen nicht konzentrieren (z.B.: Buch lesen)
Was ist dann zu tun?
Sofortiger Stressabbau
- Ich schalte einige Belastungsfaktoren aus, d.h. Dinge, die
ich mir vorgenommen habe,
streiche oder verschiebe ich.
-
Ich versuche mich bewusst zu entspannen, mache Dinge, die mir Freude machen,
und
mich auf andere Gedanken bringen (z.B.:
Freunde treffen, Waldspaziergang).
-
Ich lasse mich vorbeugend für ein paar Tage krankschreiben.
Mit
der Zeit lerne ich meine Belastungsgrenzen kennen.
Ich
nehme mir vor, nicht mehr als bis zu 75% meiner Belastungsfähigkeit auszunutzen.
So
habe ich eine Reserve für
unvorhergesehene Ereignisse.
Was können Belastungsfaktoren
sein?
-
Arbeitslosigkeit -
Überforderung am Arbeitsplatz
-
Mobbing -
Geldprobleme
-
Beziehungsprobleme und Trennung -
Verliebtheit
-
Tod nahestehender Personen - ständige Unzufriedenheit
-
Nebenwirkungen von Medikamenten
-
Stress, den man sich überflüssigerweise selber verursacht
-
Konflikte oder Streit mit Angehörigen, Freunden oder Kollegen
Aber: Unterforderung, Langeweile und Einsamkeit, die zur vermeintlichen
Sinnlosigkeit des Lebens führen können, sind oft unterschätzte Stressfaktoren.
Wie kündigt sich eine Krise
(Psychose) an?
Welche Fähigkeit braucht man, um
eine Krise so früh wie möglich wahrzunehmen?
Gelassene Wachsamkeit und
Achtsamkeit helfen sich selbst zu
beobachten und wahrzu- nehmen, an
welchem Punkt man steht. Dabei muss man ehrlich
mit sich selber sein.
Beispiele der
wichtigsten möglichen Frühwarnzeichen:
-
starke Gefühle -
Kreisen von Gedanken
-
Schlafstörungen -
Aktionismus und Getriebenheit
-
fehlendes Hunger- oder Durstgefühl -
Angstgefühle
-
Unruhe -
vollständiger sozialer Rückzug
-
Suizidgedanken -
Depressionen
-
starke Reizbarkeit -
Geräuschempfindlichkeit
-
schlechtere oder sehr verstärkte Körperwahrnehmung
-
Überforderung durch alltägliche Anforderungen
Jeder sollte bei diesem
Krisenplan seine individuellen Frühwarnzeichen erforschen.
Was ist jetzt zu tun?
-
Stressfaktoren auf ein Minimum reduzieren und sich ausruhen
-
die Medikamente ggf. etwas erhöhen oder das Bedarfsmedikament in ausreichender
Dosierung nehmen
-
Menschen informieren, die einem zur Seite stehen, die einen gut kennen und
nicht nervös
werden, und sich nicht selbst zurückziehen
-
wenn keine Besserung eintritt, seinen Arzt aufsuchen oder sich an den
Krisendienst
wenden
-
wenn man Zweifel hat, ob man es alleine zu Hause schafft, sollte man freiwillig
in die
Klinik gehen, möglichst in Begleitung einer
vertrauten Person
`Es
sind ja nur Gedanken´, die zu einer Krise (Psychose) führen. Gedanken kann man
lernen zu steuern und abzubrechen, bevor sie einen ganz von der Realität
entfernen. Das kann und sollte man üben. Indem man sich auf seinen Körper
konzentriert, und sich durch Atembeobachtung
bewusst entspannt, können Gedanken abgeschaltet werden.
Übung:
Ich atme ein - ich bin daheim. Ich atme aus - ich bin zuhaus.
Zum Umgang mit diesem Konzept:
Selbststabilisierung hängt von sehr vielen individuellen
Faktoren ab, die sich auch gegenseitig beeinflussen können. Es sollten immer
nur einzelne Punkte vorsichtig verändert werden, um danach zu spüren, wie es
einem dabei geht. Es kommt darauf an, das richtige Maß für sich zu finden, und
sich kleine Ziele zu setzen, die auch erreicht werden können. Auf keinen Fall
sollte man schlagartig sein gesamtes Leben umkrempeln. Es ist wichtig, sich
nicht selbst in die Tasche zu lügen, auch sollte man sich nicht in
Selbstmitleid, Groll und Resignation flüchten.
.
Als
erstes mache ich mir Gedanken über eine gute Krisenvorsorge (Krisenabsprachen,
was tut mir in der Krise gut, vornehmen ab wann ich Arzt/Ärztin aufsuche,
etc.). Diese Gedanken halte ich auf einem Krisenplan fest. Eine
Behandlungsvereinbarung und/oder eine Vorausverfügung (Patientenverfügung,
Vorsorgevollmacht, Bochumer Willenserklärung, Psychiatrisches Testament) geben
eine zusätzliche rechtliche Sicherheit.
Danach
überlege ich mir, welche Umstände in meinem Leben zu meiner/n Krise/Krisen
geführt haben können, ob diese Umstände noch bestehen und ob ich sie verändern
kann. Alle Veränderungen gehe ich vorsichtig und mit Bedacht an.
(Für die Beherrschung der Grundlagen braucht man etwa
soviel Zeit und Überlegung, wie für die Vorbereitung zur theoretischen
Führerscheinprüfung.)
Wer dieses Konzept verstanden
und verinnerlicht hat, lernt sich und seine Grenzen viel besser kennen und
wird sich mit der Zeit stabilisieren. Wenn eine Stabilisierung eingetreten ist,
können die Medikamente langsam reduziert oder variabel genommen werden
(Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und in Absprache mit dem Arzt/der Ärztin,
vorausgesetzt). Viele werden irgendwann die Medikamente ganz absetzen können
und nur noch im Bedarfsfall nehmen.
Die Wahrscheinlichkeit einer
weiteren Krise (Psychose) wird geringer werden, weil man sie früher bemerkt, und gelernt hat,
gegenzusteuern. Falls es trotzdem noch
einmal dazu kommen sollte: Nicht
den Mut und die Hoffnung verlieren, sondern daraus lernen und überlegen, was
man noch besser/anders machen kann.
Weitere Hinweise liefert TIPS UND TRICKS UM VER-RÜCKTHEITEN ZU STEUERN,
zu bestellen bei Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, 0234 / 6870 5552, kontakt-info@bpe-online.de, oder www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de, dort Lesenswertes.
Beratungsstelle
von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene
LPE NRW: Montags und Donnerstags
von 14:30 – 17:00 und 19:00 – 21:30
Tel.: 0212 / 5 36 41 Rückruf auf Festnetz ist möglich
WEGLAUFHAUS
INITIATIVE RUHRGEBIET: Di 13-15 Uhr.
Tel.: 0234 / 640 5084
Bitte kopieren und
weitergeben Stand: 25.11.2008
P e r s ö n l i
c h e r K r i s e n p l a n
|
1. Frühwarnzeichen beachten! Meine wichtigsten Frühwarnzeichen: |
1.) |
|
|
2.) |
|
|
3.) |
|
|
4.) |
|
|
5.) |
|
|
|
|
2. Kontakt aufnehmen zu jemandem, der mich ernstnimmt, aber selbst nicht nervös wird. |
Name: Telefon: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
3. Für Entlastung sorgen: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
4. Schutzmaßnahmen ergreifen: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
5. Dem Umfeld Signale geben, dass es mir im Moment nicht so gut geht. |
An
®
Name: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
von Matthias
Seibt
Fehlender Schlaf und Ver-rücktheit (psychiatrisch
Psychose) gehören zusammen wie Wolken und Regen. Diese Regel gilt für 90 bis
95% aller Menschen, die Zustände der Ver-rücktheit kennen.
So wie ohne Wolken kein Regen möglich ist, ist für
diese Menschen ohne Schlafverlust kein Ver-rücken (und damit keine
Ver-rücktheit) möglich.
Wie kommt es
nun zu dieser Schlaflosigkeit?
Es sind Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen und
damit auch uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Diese Gedanken beziehen sich in
der Regel auf ganz alltägliche Lebenssituationen oder –Ereignisse. Einsamkeit, Partnerschaftsprobleme,
Schulden, Arbeits- oder Prüfungsstress können uns dermaßen beschäftigen, dass
die Gedanken daran uns unseren Schlaf rauben.
Handelt es
sich um eine besondere Art der Schlaflosigkeit?
Ja. Die normale Schlaflosigkeit geht mit Müdigkeit
und Zerschlagenheit einher, man wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich
wieder (wie sonst) schlafen zu können. Die zum Ver-rücken gehörende
Schlaflosigkeit führt in einen Hellwach-Zustand. Dieser Hellwach-Zustand ist
angenehm, der fehlende oder stark verkürzte Schlaf wird nicht als Mangel
empfunden. Man hat neue Gedanken, verfügt über ungewöhnlich viel Energie, ist
in der Lage Probleme in Angriff zu nehmen, an die man sich bislang nicht
herantraute.
Diese positiven Aspekte des Hellwachseins machen es
vielen Menschen schwer, die Gefahr einer beginnenden Ver-rücktheit zu erkennen.
Insbesondere wenn dieser Hellwach-Zustand
im Anschluss an eine Niedergeschlagenheit (psychiatrisch Depression)
entsteht, werden die möglichen Nachteile dieses Zustands unterschätzt.
Wie lange dauert der
Übergang vom Hellwach-Zustand in die Ver-rücktheit?
Das dauert unterschiedlich lang. Wichtigster Aspekt
hierbei ist die Dauer des verbliebenen Schlafs. Zwei Stunden sind gefährlicher
als vier Stunden.
Wie wichtig
ist Schlaf?
Atmen, trinken, schlafen und essen sind unsere
Grundbedürfnisse. Schlafen und Trinken
sind von ähnlicher Wichtigkeit. Nach 7 bis 9 Tagen „Verzicht“ auf eines dieser
beiden Grundbedürfnisse wird es bei mitteleuropäischem Klima für einen gesunden
jungen Menschen spätestens lebensgefährlich.
Die uns im Hellwach-Zustand beschäftigenden Gedanken
können uns derart von unseren Grundbedürfnissen ablenken, dass wir nicht mehr
(kaum noch) essen. Der zusätzliche Nahrungsentzug verstärkt dann wiederum
unsere Aufgedrehtheit oder Überdrehtheit. Manche Menschen vergessen sogar das
Trinken.
Stand Januar 2004

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, Wittener Str.
87, 44 789 Bochum. Erstkontakt: 0234 / 68 70 5552, Psychopharmaka-Beratung 0234
/ 640 5102. www.bpe-online.de,
kontakt-info@bpe-online.de.
Dieses Papier steht unter www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de,
dort Lesenswertes, im Internet.