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Wege zur Selbststabilisierung

Selbsthilfekonzept für Psychose-Erfahrene

Dieses Konzept ist eine Ergänzung zu dem Selbsthilfepapier TIPS UND TRICKS UM VER-RÜCKTHEITEN ZU STEUERN des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V.

Es soll Anregungen geben, worauf man achten sollte, um sich selber zu stabilisieren. So lernt man eine weitere Psychose zu vermeiden und  mehr Selbstachtung, Zufriedenheit,  Selbstbewusstsein und Lebensqualität u.a. durch mehr Selbstbestimmung zu erreichen.

Voraussetzungen:

Ich habe die Bereitschaft

Bis zum Erreichen der Selbststabilisierung vergehen Monate oder Jahre. Danach übt man diesen Prozess sein Leben lang aus.

Allgemeine Tipps:

a) für körperliches Wohlbefinden sorgen:

Allgemein: Ein gesundes und geregeltes Leben führen

b) körperliche und seelische Aspekte:

 c) die medizinischen Aspekte:

  Es gelten die Grundsätze:

  1. Medikamente können nicht heilen, nicht die Ursachen bekämpfen/beseitigen, sondern nur Symptome lindern.
  2. So wenig wie möglich, nur so viel wie nötig.
  3. Wirkung, Nebenwirkungen und mögliche Spätschäden sollte man kennen.

 Eine ausführliche, kompetente Beratung leistet die Psychopharmaka-Beratung des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. Tel.: 0234 / 640 51 02.

 d) die sozialen Aspekte:

Auf dem Weg zur Selbststabilisierung ist es für das seelische Gleichgewicht sehr wichtig, dafür zu sorgen, dass das zwischenmenschliche Klima einigermaßen stimmt (Angehörige, Partner/in, Freunde, Kollegen). Da wo es nicht möglich ist, geht man diesen Menschen besser aus dem Weg.

Das Stressmanagement:

Was ist Stress? Sehr hohe seelische und körperliche Belastung, die zu Krankheit führen kann. Viele haben bei einer Psychose das Gefühl, es passiert etwas mit ihnen, aber im Vorfeld haben sie sich zu viel Stress zugemutet oder es ist ihnen zu viel zugemutet worden.

Nach dem Verletzlichkeits - Stress - Bewältigungsmodell sind psychoseerfahrene Menschen besonders verletzlich, sensibel, dünnhäutig und anfällig für Stress. Grundsätzlich kann jeder Mensch bei hohen seelischen Belastungen eine Psychose bekommen. Belastungen

verschiedenster Art können Stress auslösen und einen verletzlichen Menschen in den Grenzbereich zu einer akuten Psychose führen. Dabei kann es sich um plötzliche, schwere Belastungen oder eine Aneinanderreihung kleinerer, sogar alltäglicher Anforderungen handeln. Andererseits hat Stress, in einem Maße, das einen nicht überfordert, eine positive Wirkung. Zuviel positiver Stress, in Verbindung mit einer Überaktivität, kann aber auch destabilisieren.

Um eine erneute Krise zu verhindern, muss man den Stress, d.h. die Belastungen, die man sich zumutet, managen.

Woran merke ich es, wenn ich an meine momentane persönliche Belastungsgrenze komme?

Wenn ich die ersten Anzeichen für Stress spüre, das kann z.B. sein:

Was ist dann zu tun?

Sofortiger Stressabbau

Mit der Zeit lerne ich meine Belastungsgrenzen kennen.

Ich nehme mir vor, nicht mehr als bis zu 75%  meiner Belastungsfähigkeit auszunutzen.

So habe ich eine Reserve für unvorhergesehene Ereignisse.

 Was können Belastungsfaktoren sein?

Aber: Unterforderung, Langeweile und Einsamkeit, die zur vermeintlichen Sinnlosigkeit des Lebens führen können, sind oft unterschätzte Stressfaktoren.

Wie kündigt sich eine Krise (Psychose) an?

Welche Fähigkeit braucht man, um eine Krise so früh wie möglich wahrzunehmen?

Gelassene Wachsamkeit und Achtsamkeit helfen sich selbst zu beobachten und wahrzu- nehmen, an welchem Punkt man steht. Dabei muss man ehrlich mit sich selber sein.

Beispiele der wichtigsten möglichen Frühwarnzeichen:

Jeder sollte bei diesem Krisenplan seine individuellen Frühwarnzeichen erforschen.

Was ist jetzt zu tun?

`Es sind ja nur Gedanken´, die zu einer Krise (Psychose) führen. Gedanken kann man lernen zu steuern und abzubrechen, bevor sie einen ganz von der Realität entfernen. Das kann und sollte man üben. Indem man sich auf seinen Körper konzentriert, und sich durch Atembeobachtung  bewusst entspannt, können Gedanken abgeschaltet werden.

Übung: Ich atme ein - ich bin daheim. Ich atme aus - ich bin zuhaus.

Zum Umgang mit diesem Konzept:

Selbststabilisierung hängt von sehr vielen individuellen Faktoren ab, die sich auch gegenseitig beeinflussen können. Es sollten immer nur einzelne Punkte vorsichtig verändert werden, um danach zu spüren, wie es einem dabei geht. Es kommt darauf an, das richtige Maß für sich zu finden, und sich kleine Ziele zu setzen, die auch erreicht werden können. Auf keinen Fall sollte man schlagartig sein gesamtes Leben umkrempeln. Es ist wichtig, sich nicht selbst in die Tasche zu lügen, auch sollte man sich nicht in Selbstmitleid, Groll und Resignation flüchten.

Als erstes mache ich mir Gedanken über eine gute Krisenvorsorge (Krisenabsprachen, was tut mir in der Krise gut, vornehmen ab wann ich Arzt/Ärztin aufsuche, etc.). Diese Gedanken halte ich auf einem Krisenplan fest. Eine Behandlungsvereinbarung und/oder eine Vorausverfügung (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Bochumer Willenserklärung, Psychiatrisches Testament) geben eine zusätzliche rechtliche Sicherheit.

Danach überlege ich mir, welche Umstände in meinem Leben zu meiner/n Krise/Krisen geführt haben können, ob diese Umstände noch bestehen und ob ich sie verändern kann. Alle Veränderungen gehe ich vorsichtig und mit Bedacht an.

(Für die Beherrschung der Grundlagen braucht man etwa soviel Zeit und Überlegung, wie für die Vorbereitung zur theoretischen Führerscheinprüfung.)

 

Wer dieses Konzept verstanden und verinnerlicht hat, lernt sich und seine Grenzen viel besser kennen und wird sich mit der Zeit stabilisieren. Wenn eine Stabilisierung eingetreten ist, können die Medikamente langsam reduziert oder variabel genommen werden (Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und in Absprache mit dem Arzt/der Ärztin, vorausgesetzt). Viele werden irgendwann die Medikamente ganz absetzen können und nur noch im Bedarfsfall nehmen.

Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Krise (Psychose) wird geringer werden, weil man sie  früher bemerkt, und gelernt hat, gegenzusteuern. Falls es trotzdem noch

einmal dazu kommen sollte: Nicht den Mut und die Hoffnung verlieren, sondern daraus lernen und überlegen, was man  noch besser/anders machen kann.

Weitere Hinweise liefert TIPS UND TRICKS UM VER-RÜCKTHEITEN ZU STEUERN, zu bestellen bei Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, 0234 / 6870 5552, kontakt-info@bpe-online.de, oder www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de, dort Lesenswertes.

 

Beratungsstelle von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene

LPE NRW: Montags und Donnerstags von 14:30 – 17:00 und 19:00 – 21:30
Tel.: 0212 / 5 36 41 Rückruf auf Festnetz ist möglich

WEGLAUFHAUS INITIATIVE RUHRGEBIET:  Di 13-15 Uhr. Tel.: 0234 / 640 5084

 

Bitte kopieren und weitergeben                                                            Stand: 25.11.2008

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1. Frühwarnzeichen beachten!

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2. Kontakt aufnehmen zu jemandem, der mich ernstnimmt, aber selbst nicht nervös wird.

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3. Für Entlastung sorgen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5. Dem Umfeld Signale geben, dass es mir im Moment nicht so gut geht.

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